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Prüfung. Thesen. Gespräch. Linguistik.

Mündliche Prüfungen

Germanistische Linguistik

Format · Vorbereitung · Thesenpapier

Ein kurzer Leitfaden für Seminarprüfungen und B.A.-mündliche Prüfungen bei Dr. Benjamin L. Sluckin.

Überblick

Was dieser Leitfaden klärt

Prüfungsmodus

Wissenschaftliches Gespräch statt Faktenabfrage

Die mündliche Prüfung ist kein Faktenquiz und keine mündliche Hausarbeit in mündlicher Form. Sie ist ein wissenschaftliches Gespräch. Sie zeigen, dass Sie ein Thema fachlich durchdrungen haben: Sie können zentrale Begriffe erklären, eine Problemstellung entfalten, Forschungshypothesen darstellen, konkurrierende Analysen vergleichen und begründet einschätzen, welche Lösung für welche Daten oder Fragestellung tragfähig ist.

Dieser Leitfaden konkretisiert das Format mündlicher Prüfungen bei Dr. Benjamin L. Sluckin. Er ergänzt die allgemeinen Hinweise des Beratungsportals Germanistik und ersetzt nicht die jeweils geltende Prüfungsordnung.

Stand: Mai 2026

1. Ziel der Prüfung

Eine gute Prüfung ist daran erkennbar, dass Sie die Diskussion fachlich tragen. Ich stelle Rückfragen, wenn etwas unklar ist, wenn sich ein interessanter Anschluss ergibt oder wenn die Diskussion ins Stocken gerät. Je weniger ich die Struktur vorgeben muss, desto besser läuft die Prüfung.

Leitprinzip: Sie geben mir einen informierten und kritischen Überblick über das Thema. Dazu gehören die relevanten Hypothesen, die zentrale Problematik und mögliche Lösungen oder offene Fragen.

2. Themenwahl

Sie wählen zwei Hauptthemen. Die Themen sollen ausreichend unterschiedlich sein und innerhalb der Germanistischen Linguistik klar verortet werden können. Für B.A.-Prüfungen gilt besonders: Zwei Themen dürfen nicht nur zwei Varianten derselben Fragestellung sein.

ModellZeitstrukturGeeignet, wenn ...
Zwei gleichgewichtige Themenca. 15 Minuten + 15 Minutenbeide Themen ähnlich wichtig und ähnlich gut vorbereitet sind.
Hauptthema + Nebenthemaca. 20 Minuten + 10 Minutenein Thema deutlich stärker vertieft werden soll.

3. Ablauf der Prüfung

Sie eröffnen die Diskussion zu jedem Thema. Ein guter Einstieg ist kurz, strukturiert und problemorientiert. Sie sollten nicht mit einer Liste von Fakten beginnen, sondern mit der Frage, worum es fachlich geht und warum das Thema erklärungsbedürftig ist.

  • Sie führen in das Thema ein und benennen die zentrale Problemstellung.

  • Sie stellen relevante Hypothesen, Analysen oder Forschungspositionen vor.

  • Sie vergleichen diese Positionen anhand von Argumenten, Beispielen oder Daten.

  • Sie formulieren eine begründete Einschätzung, ohne offene Probleme zu verschweigen.

4. Was eine gute Prüfung ausmacht

Souverän zu sprechen bedeutet nicht, ohne Pause und ohne jeden Fehler zu reden. Souverän ist eine Prüfung, wenn Sie die fachliche Linie halten, Begriffe präzise verwenden, Beispiele sinnvoll einsetzen und auf Rückfragen reagieren können, ohne den argumentativen Faden zu verlieren.

StärkerSchwächer
Sie erklären, warum eine Fragestellung problematisch oder theoretisch relevant ist.Sie geben nur Definitionen oder Seminarfolien wieder.
Sie führen Beispiele ein und zeigen, was sie für oder gegen eine Analyse leisten.Sie nennen Beispiele, ohne sie analytisch auszuwerten.
Sie vergleichen Hypothesen: Welche erklärt was? Wo bleiben Probleme?Sie referieren nacheinander Positionen, ohne sie aufeinander zu beziehen.
Sie verwenden Fachbegriffe wie Kasus, Kongruenz, Topik, Bewegung, Valenz, Projektion oder Informationsstruktur präzise.Sie verwenden Fachtermini ungenau oder nur dekorativ.
Sie erkennen Grenzen der eigenen Darstellung und formulieren sie sachlich.Sie tun so, als sei alles geklärt, obwohl die zentrale Schwierigkeit nicht behandelt wurde.

5. Das Thesenpapier

Bitte bringen Sie ein Thesenpapier in zweifacher Ausfertigung mit: ein Exemplar für Sie und ein Exemplar für mich. Das Thesenpapier ist kein ausformulierter Prüfungstext und kein Ersatz für die Vorbereitung. Es ist ein Arbeitsblatt, das die Gesprächsführung unterstützt.

  • Thema 1 und Thema 2 mit jeweils klarer Überschrift.

  • Pro Thema 3–5 Thesen oder Leitfragen.

  • Zentrale Begriffe und ggf. ein oder zwei Beispiele, Daten oder Testsätze.

  • Kurze Literaturliste mit den wichtigsten Titeln.

  • Maximal zwei Seiten insgesamt; eine Seite ist oft besser.

Nicht sinnvoll: Kein Fließtext-Essay, keine abgeschriebenen Folien, keine langen Literaturblöcke, keine Stichwortsammlung ohne These. Wenn das Thesenpapier nicht erkennen lässt, welche fachliche Diskussion Sie führen wollen, erfüllt es seinen Zweck nicht.

Beispiel: gute historische Thesen

Eine These ist keine bloße Überschrift, sondern eine fachliche Behauptung, die im Prüfungsgespräch begründet, eingeordnet und kritisch diskutiert werden kann. Das folgende Beispiel zeigt drei mögliche Thesen zu einem historischen Thema auf B.A.-Niveau.

Thema: Die Entwicklung des Dentalsuffixes im germanischen Präteritum

These 1 · Herkunft / Quelle

Das Dentalsuffix des schwachen Präteritums lässt sich wahrscheinlich nicht einfach als direkt fortgesetztes indogermanisches Tempussuffix erklären, sondern ist als germanische Innovation zu behandeln, deren Quelle in einer periphrastischen Konstruktion mit einem leichten Verb wie tun gelegen haben könnte.

These 2 · Entwicklung / Mechanismus

Die Entwicklung zum Flexionssuffix lässt sich als Grammatikalisierungsprozess beschreiben: Aus einer ursprünglich selbstständigeren verbalen Konstruktion wurde über Reanalyse, Klitisierung und phonologische Reduktion ein produktiver Marker des schwachen Präteritums. Die Ausbreitung dieses Musters wurde dadurch begünstigt, dass es eine regelmäßigere und leichter auf neue Verben übertragbare Präteritalbildung bot als der starke Ablaut.

These 3 · Alternative Hypothesen

Die Entstehung des Dentalsuffixes ist nicht durch eine einzige Erklärung abschließend gelöst; die tun-Hypothese muss gegen Analysen abgewogen werden, die ältere indogermanische Dentalsuffixe, analogische Ausbreitung oder Mischszenarien annehmen.

6. Vorbereitung

Bereiten Sie die Prüfung ähnlich gründlich vor wie eine Hausarbeit, aber mit einem anderen Ziel: Sie müssen das Wissen nicht nur notieren, sondern abrufbar, erklärbar und diskussionsfähig machen.

  1. Themen eingrenzen: Formulieren Sie pro Thema eine zentrale Problemfrage.
  2. Literatur lesen: Beginnen Sie mit den Seminartexten und ergänzen Sie gezielt Forschungsliteratur.
  3. Exzerpieren: Notieren Sie nicht nur Inhalte, sondern Argumente, Begriffe, Beispiele und offene Probleme.
  4. Thesen formulieren: Jede These sollte diskutierbar sein, nicht bloß eine Tatsache wiederholen.
  5. Mündlich üben: Sprechen Sie Ihre Einführung laut durch. Wenn Sie den Einstieg nicht klar formulieren können, ist die Struktur noch nicht klar.
  6. Rückfragen simulieren: Überlegen Sie, welche Begriffe, Beispiele oder Annahmen ich wahrscheinlich nachfragen würde.

Möglicher Einstieg: „In diesem Themenbereich geht es zentral um ... Die Problematik besteht darin, dass ... In der Forschung wurden vor allem folgende Analysen vorgeschlagen ... Ich möchte zunächst ... zeigen und anschließend ... kritisch diskutieren.“

7. Was Sie mitbringen sollten

  • zwei Ausdrucke des Thesenpapiers

  • Studierendenausweis bzw. amtlicher Lichtbildausweis

  • bei Onlineprüfungen: stabile Verbindung, Kamera, Mikrofon und das Thesenpapier als Datei

  • keine ausformulierten Antwortskripte; sie führen die Diskussion, nicht Ihr Skript

8. Kompakte Checkliste

  • Ich habe zwei ausreichend unterschiedliche Themen gewählt.
  • Ich kenne die wichtigsten Begriffe und kann sie an Beispielen erklären.
  • Ich kann mindestens zwei Analysepositionen oder Hypothesen vergleichen.
  • Ich habe Beispiele, Daten oder Testsätze vorbereitet.
  • Ich weiß, welche offenen Fragen oder Schwächen die jeweiligen Analysen haben.
  • Mein Thesenpapier enthält Thesen statt nur Stichworte.
  • Ich habe die Einführung zu jedem Thema laut geübt.

9. Vorlage für ein Thesenpapier

Thema 1: .

These 1: .

These 2: .

These 3: .

Zentrale Literatur: .

Thema 2: .

These 1: .

These 2: .

These 3: .

Zentrale Literatur: .

Quellen und Orientierung

Beratungsportal Germanistik der Ruhr-Universität Bochum: „Das universitäre Prüfungsgespräch“.