HD Dr. Stefanie Pöggeler




Lehrstuhl für Allgemeine und Molekulare Botanik

Ruhr-Universität Bochum

ND 6/161

44801 Bochum

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Fax.:        0049-234-3214184

e-mail:    stefanie.poeggeler@rub.de


     

Mitarbeiter:

          Severine Mayrhofer, Stefanie Pöggeler, Nicole Nolting, Yasmine Bernhards, Silke Nimtz,
Skander Elleuche, Katrin Brzonkalik, Jan Weber (v.l.n.r)


          April 2005, Botanischer Garten; Ruhr-Universität Bochum
         
          es fehlte an diesem Tag: Gisela Isowitz





Forschung:

Im Vordergrund meines Forschungsinteresses steht die Untersuchung der molekularen Grundlagen der Morphogenese komplexer mehrzelliger Strukturen bei Ascomyceten. Diese bilden im Verlaufe ihrer sexuellen Fortpflanzung aus verschiedenen Zelltypen bestehende, komplexe räumliche Strukturen, die sogenannten Fruchtkörper, aus. Die mehrzelligen Fruchtkörper der Ascomyceten dienen der Ausbreitung und dem Schutz der meiotisch gebildeten Sporen.
Wie alle eukaryotischen Entwicklungsprozesse, so ist auch die Ausbildung dieser Fruchtkörper auf eine zeitlich und räumlich regulierte Expression verschiedenster Gene zurückzuführen. Die molekulargenetische Analyse der Fruchtkörperentwicklung von Pilzen und die Isolierung der an diesem Prozeß beteiligten Gene kann dazu beitragen, detaillierte Erkenntnisse darüber zu gewinnen, wie formverändernde Entwicklungsprozesse bei höheren Eukaryoten auf molekularer Ebene reguliert werden. Meine Arbeiten gliedern sich in vier Schwerpunkte:

 


1. Fruchtkörperentwicklung bei Pilzen – Komplementation von Entwicklungsmutanten

Durch molekulargenetische Analysen von Entwicklungsmutanten, die Störungen in der Fruchtkörpermorphogenese aufweisen, konnten durch unsere Arbeiten in Bochum und durch Kooperation mit Denise Zickler (Paris) bisher gänzlich unbekannte Entwicklungsgene isoliert werden (Masloff et al. 1999, Nowrousian et al. 1999, van Heemst et al. 1999, Pöggeler und Kück 2004). Zukünftig möchte ich weitere Entwicklungsmutanten des Hyphenpilzes Sordaria macrospora mit molekular- und zellbiologischen Methoden analysieren und so zu einem komplexen molekularen Bild der pilzlichen Entwicklung beitragen. Zurzeit bearbeiten wir intensiv das Entwicklungsgen pro11, das ein Protein mit charakteristischen Protein-Protein Interaktionsdomänen kodiert. Das PRO11 Polypeptid weist eine signifikante Homologie zu der in Säugern vorkommenden Protein-Familie der Striatine auf. Zur Familie der Striatine gehören das Striatin, S/G2NA („nuclear autoantigen“), und Zinedin. Es handelt sich bei diesen Proteinen um membranassoziierte, hauptsächlich in den Dendriten von Nervenzellen vorkommende Proteine, die ein sogenanntes „WD-repeat“ Motiv im C-Terminus und eine Ca2+/Calmodulin-Bindestelle im N-Terminus aufweisen. Solche Motive findet man auch in dem von S. macrospora kodierten Protein.

In Kooperation mit der Arbeitsgruppe von Prof. Kilimann (Ruhr-Universität Bochum) konnten wir die cDNA des Striatingens aus dem Maus-Hirn isolieren und zeigen, dass das Säugerprotein in der Lage ist, den Entwicklungsdefekt in S. macrospora zu komplementieren (Pöggeler und Kück 2004). Da die Funktion des Striatins vom Pilz bis zum Säuger konserviert ist, stellt der Hyphenpilz S. macrospora ein ideales Modellsystem dar, um die Funktion von Striatin-änhlichen Proteinen bei Entwicklungsvorgängen von Neuronen molekulargenetisch aufzuklären. Gegenwärtig werden neue Interaktionspartner des PRO11 Proteins aus S. macrospora isoliert. Diese sollen in Zukunft charakterisiert werden.

 


2. Analyse von Kreuzungstyp-Proteinen, Pheromonen und Rezeptoren

Ein weiterer Schwerpunkt  meiner Forschungsarbeiten ist es, die Funktionen der Kreuzungstyp-kodierten Genprodukte von Hyphenpilzen aufzuklären. Die Kreuzungstyp-Gene der Hyphenpilze kodieren Proteine, von denen die meisten starke Ähnlichkeiten zu DNA-bindenden Transkriptionsfaktoren aufweisen. Die putativen Transkriptionsfaktoren regulieren sehr wahrscheinlich essentielle zelluläre Signalkaskaden, die zur Befruchtung, Karyogamie und Meiose führen. Für die Karyogamie und Meiose ist bei Hyphenpilzen eine geordnete Verteilung der Kerne im fruktifizierenden Myzel die Voraussetzung. Neben ihrer wichtigen Rolle bei der Befruchtung scheinen die Kreuzungstyp-Produkte der filamentösen Ascomyceten in den Kernerkennungs-Mechanismus einzugreifen, der für eine geordnete Verteilung von zwei Kernen während der Hakenbildung erforderlich ist. Die Rolle der Kreuzungstyp-Gene soll während der sexuellen Differenzierung mit genetischen, molekularbiologischen und zellbiologischen Methoden analysiert werden.

Putative Zielgene von Kreuzungstyp-Proteinen aus filamentösen Ascomyceten stellen Pheromon- und Pheromon-Rezeptorgene dar. Solche Gene wurden von meiner Arbeitsgruppe sowohl bei Neurospora crassa als auch bei Sordaria macrospora identifiziert (Pöggeler 2000, Pöggeler und Kück 2001). Die Pheromon-Rezeptoren der filamentösen Ascomyceten sind Membranproteine und besitzen sieben Transmembran-Domänen. Sie ähneln stark den G-Protein gekoppelten Rezeptoren Ste3p und Ste2p der Bäckerhefe Saccharomyces cerevisiae und tierischen G-Protein gekoppelten Rezeptoren. Wir analysieren das Pheromon/Rezeptor-System aus S. macrospora sowohl heterolog in der Bäckerhefe als auch homolog in S. macrospora und planen den Signaltransduktionsweg vom Pheromon bis in den Zellkern funktionell zu charakterisieren (Mayrhofer und Pöggeler 2005). Weiterhin isolieren wir zurzeit Proteine, die mit Kreuzungstyp-Proteinen interagieren können, wie z. B. ein MCM1 homologes MADS-Box  Protein aus S. macrospora. Zukünftig wollen wir klären, wie diese Transkriptionsfaktoren die Aktivität von Pheromon- und Rezeptorgenen regulieren.

 


3. Inteine bei Pilzen

Ein neuer Schwerpunkt meiner Arbeit liegt in der funktionellen Analyse von Intein-tragenden Genen. Inteine sind selbst-spleißende Protein-Sequenzen, die bei pathogenen Pilzen attraktive Ziele für pharmazeutische Substanzen darstellen. Wir haben bei verschiedenen Vertretern der Gattung Penicillium im prp8-Gen, das für einen konservierten prä mRNA Spleißfaktor kodiert, Inteine entdeckt und versuchen die Evolution dieses genetischen Elementes durch Stammbaumanalysen klären. Außerdem wurde von meiner Arbeitsgruppe die Funktionalität dieser pilzlicher PRP8-Inteine durch heterologe Expression in E. coli aufgeklärt. Zukünftig soll das Spleißen von PRP8-Inteinen sowohl in vitro als auch in vivo analysiert werden.

 


4. Evolution von Entwicklungsgenen

Auf diesem Arbeitsgebiet nutzen wir Sequenzdaten und erstellen mit mathematischen Verfahren Stammbäume, durch die der Evolutionsverlauf des Fortpflanzungssystems von Hyphenpilzen rekonstruiert werden kann. In diesem Zusammenhang ist es uns gelungen in dem Genom des human-pathogenen Hyphenpilzes Aspergillus fumigatus die Kodierungskapazität für Pheromone, Rezeptoren und Kreuzungstyp-Proteine nachzuweisen, also Gene, die für eine sexuelle Fortpflanzung benötigt werden. Da bisher angenommen wurde, dass A. fumigatus sich ausschließlich asexuell fortpflanzt, ist es außerordentlich interessant zu untersuchen, ob die isolierten Gene in die Ausbildung der asexuellen Konidiosporen (diese stellen das pathogene Agens dar) involviert sind (Pöggeler 2002).


 

Publikationen:

1. Kück U, Faßbender S (1991) Zur Verwandtschaft mobiler Genelemente: Besitzen Retroviren, Transposonen und Intronen einen gemeinsamen evolutionären Ursprung? Biologie in unserer Zeit 21: 31-36

2. Kück U, Godehardt I, Faßbender S, Siedlaczck I, Walz M (1991) Nicht-radioaktive DNA-Hybridisierungsverfahren zur Analyse von transgenen Mikroorganismen. BioTec 5: 46-52

3. Kück U, Faßbender S, Herdenberger F, Wolff G (1992) Mitochondrial genomes of eukaryotic algae. In: H Stabenau (ed), Phylogenetic Changes in Peroxisomes of Algae.  Phylogeny in Plant Peroxisomes, Univ. Oldenburg, Oldenburg, pp 283-309

4. Faßbender S (1993) Intron-kodierte Polypeptide aus Chloroplasten und Mitochondrien. Bibliotheca Mycologica, J Cramer, Gebrüder Borntäger Verlagsbuchhandlung, Berlin, Stuttgart, Bd 52

5. Faßbender S, Brühl KH, Ciriacy M, Kück U (1994) Reverse transcriptase activity of an intron encoded polypeptide. EMBO J 13: 2075-2083 http://www.pubmedcentral.gov/picrender.fcgi?artid=395058&blobtype=pdf

6. Faßbender S, Kück U (1995) Reverse transcriptase activities in mycelial fungi. In: U. Kück (ed) THE MYCOTA II, Springer Verlag, Heidelberg, New York, Tokyo, pp 247- 259

7. Pöggeler S, Schwerk C, Kämper U, Kück U (1996) Efficient synthesis of a 72 kDa mito­chondrial polypeptide using the yeast Ty expression system. Biochem Biophys Res Com 219: 890-899  file:///F:/Public/poeggeler/Fotos-S.%20P%F6ggeler/poeggelerBBRC96.pdf

8. Pöggeler S, Nowrousian M, Jacobsen S, Kück U (1997) An efficient procedure to isolate fungal genes from an indexed cosmid library. J Microbiol Meth 29: 49-61

9. Pöggeler S (1997) Sequence characteristics within nuclear genes from Sordaria macrospora. Fungal Genetics Newsletters 44: 41-44  http://www.fgsc.net/fgn44/poeggler.html

10. Pöggeler S, Risch S, Kück U, Osiewacz HD (1997) Mating-type genes from the homothallic fungus Sordaria macrospora are functionally expressed in a heterothallic ascomycete. Genetics 147: 567-580 file:///F:/Public/poeggeler/Fotos-S.%20P%F6ggeler/poeggeler1997.pdf 

11. Nowrousian M, Masloff S, Pöggeler S, Kück U (1999) Cell differentiation during sexual development of the fungus Sordaria macrospora requires ATP citrate lyase activity. Mol Cell Biol 19: 450-460 file:///F:/Public/poeggeler/Fotos-S.%20P%F6ggeler/Nowrousian%20et%20al1999.pdf

12.  Masloff S, Pöggeler S, Kück U (1999) The pro1 gene from Sordaria macrospora controls fruit body maturation and encodes a protein showing similarities to C6 zinc finger transcription factors. Genetics 152: 191-199 file:///F:/Public/poeggeler/Fotos-S.%20P%F6ggeler/Masloff%20etal1999.pdf

13. Pöggeler S (1999) Phylogenetic relationships between mating-type sequences from homothallic and heterothallic ascomycetes. Curr Genet 36: 222-231  file:///F:/Public/poeggeler/Fotos-S.%20P%F6ggeler/CGpoeggeler1999.pdf

14. Van Heemst D, James F, Pöggeler S, Bertaux-Lecellier V, Zickler D (1999) Spo76p is a conserved chromosome morphogenesis protein that links the mitotic and meiotic programs. Cell 98: 261-271

15. Pöggeler S, Masloff S, Jacobsen S, Kück U (2000) Intraspecific karyotype polymorphism in the homothallic ascomycete Sordaria macrospora. J Evol Biol 13: 281-289

16. Pöggeler S, Kück U (2000) Comparative analysis of mating-type loci from Neurospora crassa and Sordaria macrospora: Identification of novel transcribed ORFs. Mol Gen Genet 263: 292-301

17. Pöggeler S (2000) Two pheromone precursor genes are transcriptionally expressed in the homothallic ascomycete Sordaria macrospora. Curr Genet 37: 403-411 file:///F:/Public/poeggeler/Fotos-S.%20P%F6ggeler/CGPoeggeler2000.pdf

18. Pöggeler S (2001) Mating type genes for classical strain improvements of ascomycetes. Appl Microbiol Biotechnol 56: 589-601 file:///F:/Public/poeggeler/Fotos-S.%20P%F6ggeler/AMBpoggeler2001.pdf

19. Pöggeler S, Kück U (2001) Identification of transcriptionally expressed pheromone receptor genes in filamentous ascomycetes. Gene 280: 9-17 file:///F:/Public/poeggeler/Fotos-S.%20P%F6ggeler/GeneSP-UK-2001.pdf

20. Masloff S, Jacobsen S, Pöggeler S, Kück U (2002) Functional analysis of the C6 zinc finger gene pro1 involved in fungal sexual development. Fungal Genetics and Biology 36: 107-116  file:///F:/Public/poeggeler/Fotos-S.%20P%F6ggeler/FGB-Masloff2002.pdf

21. Jacobsen S, Wittig M, Pöggeler S (2002) Interaction between mating-type proteins from the homothallic fungus Sordaria macrospora. Curr Genet 41: 150-158 file:///F:/Public/poeggeler/Fotos-S.%20P%F6ggeler/CGJacobsenPoeggeler2002.pdf

22. Pöggeler S (2002) Genomic evidence for sexual reproductive abilities in the asexual fungal pathogen Aspergillus fumigatus. Curr Genet 42: 153-160 

23. Pöggeler S, Masloff S, Hoff B, Mayrhofer S, Kück U (2003) Versatile EGFP plasmids for cellular localization of recombinant gene products in filamentous fungi. Curr Genet 43: 54-61 file:///F:/Public/poeggeler/Fotos-S.%20P%F6ggeler/P%F6ggeler%20et%20al.%202003.pdf

24. Pöggeler S, Kempken F (2004) Mobile genetic elements in mycelial fungi. In: U. Kück (ed) THE MYCOTA II, Genetics and Biotechnology, 2nd Edition, Springer Verlag, Heidelberg, New York, Tokyo pp 165-198

25. Nowrousian M, Würtz C, Pöggeler S, Kück U (2004) Comparative sequence analysis of Sordaria macrospora and Neurospora crassa as a means to improve genome annotation. Fungal Genet Biol. 41: 285-292  file:///F:/Public/poeggeler/Fotos-S.%20P%F6ggeler/Nowrousian%20etal-fgb2004.pdf

26. Pöggeler S, Kück U (2004) A WD40 repeat protein regulates fungal cell differentiation and can functionally be replaced by the mammalian homologue striatin. Eukaryotic Cell 3: 232-240  file:///F:/Public/poeggeler/Fotos-S.%20P%F6ggeler/EC%20Poeggeler%20&%20Kueck2004.pdf

27. Kück U, Pöggeler S (2004) pZHK2, a bi-functional transformation vector, suitable for two step gene targeting. Fungal Genet Newslett. 5: 4-6  file:///F:/Public/poeggeler/Fotos-S.%20P%F6ggeler/Kuck&PoeggelerFGN2004.pdf

28. Kück U, Pöggeler S (2004) Sordaria macrospora. In: Production of Recombinant Proteins: Microbial and eukaryotic expression systems. Gerd Gellissen (Ed). Wiley-VCH, Weinheim pp215-231

29. Pöggeler, S (2004) Evidence from comparative genomics for a sexual cycle in the asexual fungal pathogen Aspergillus fumigatus. In: Focus on Genome Research,. Williams CR (Ed) Nova Science Pubilshers Inc.; Hauppauge, New York pp251-271  file:///F:/Public/poeggeler/Fotos-S.%20P%F6ggeler/Nova_aspergillus.pdf

30. Mayrhofer S, Pöggeler S (2005) Functional Characterization of an alpha-factor-like Sordaria macrospora peptide pheromone and analysis of its interaction with its cognate receptor in Saccharomyces cerevisiae. Eukaryot. Cell 4: 661-672 file:///F:/Public/poeggeler/Fotos-S.%20P%F6ggeler/Mayrhofer&Poeggeler2005.pdf

31. Voigt K, Cozijnsen AJ, Kroymann J, Pöggeler S, Howlett  BJ  (2005) Phylogenetic relationships between members of the crucifer pathogenic Leptosphaeria maculans species complex as shown by genealogies of  mating type (MAT1-2), actin and b tubulin sequences. Mol Phylogenet Evol 37: 541-557 file:///F:/Public/poeggeler/Fotos-S.%20P%F6ggeler/Voigt2005MPE.pdf

32. Pöggeler S (2005) Fungal Intervening Sequences. In: Applied Mycology and Biotechnology. D. Arora and G.G. Khachatourians (Eds). Elsevier Science, Oxford (in press)

33. Pöggeler S, Nowrousian M, Kück U (2006) Fruiting body development in ascomycetes. In: U. Kües and R. Fischer (Eds) THE MYCOTA I, Fungal growth, differentiation and sexuality. 2nd Edition, Springer Verlag, Heidelberg, New York (angenommen)

34. Mayrhofer S, Weber JM, Pöggeler S (2006) Pheromones and pheromone receptors are required for proper sexual development in the homothallic ascomycete Sordaria macrospora. (Genetics, angenommen)

 

06.01.2006