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Eine Festung

Eine Belagerung zog sich über längere Zeiträume hin, mehrere Monate waren durchaus üblich.
Erstes Ziel der Angreifer war es, einen Ring um die Festung zu ziehen, um sie vom Umland abzuschneiden.
Flucht und Versorgung sollte unmöglich gemacht werden.
Dies impliziert die drei größten Gefahren, durch die auch die meisten Festungen gefallen sind:
Hunger, Krankheit und Verrat.
Der Aufbau einer Festung wird später anhand der Verteidigungsanlagen von Konstantinopel erläutert, die als vorbildlich und uneinnehmbar galten.

Den Verteidigern standen diverse grausame Mittel zur Verfügung.
Einmal waren Mauern und Türme i.d.R. mit kleinen Mangonellen und Ballisten bestückt. Sollten die Angreifer aber die Mauer erreichen, wurden sie mit Allem beschmissen, was zur Hand war: Steine, spitze Eisenstücke, Gedärme, brennende Reisigbündel. Besonders gefährlich war der Ensatz von heißem Pech oder Öl, das aus Eisentöpfen auf die Angreifer gegossen und dann in Brand gesetzt wurde. Diese schreckliche Methode war besonders effektiv gegen Sturmmaschinen.
Durch zahlreiche sog. Pechnasen (Maueröffnungen) konnte die Flüssigkeit gezielt (besonders bei Toren) und/oder flächendeckend vergossen werden (vor Mauerabschnitten). Da Öl und Pech wertvoll waren, wurde auch einfach kochendes Wasser eingesetzt. Musste sich eine Stadt eines Angriffes erwehren, war die Feuerung der Kessel und die Munitionsversorgung meistens Aufgabe der Frauen!

Die "Festung" Konstantinopel

Mit seiner ausgeklügelten dreifachen Verteidigungslinie aus Graben Vor- und Hauptmauer, mit zahlreichen Türmen, Wurfmaschinen und Pechnasen stellte diese Stadt einen Höhepunkt der Festungsbaukunst dar.

Das monumentale Bauwerk sollte auch ein Machtsymbol sein, für einen Angreifer mussten diese Anlagen ein ehrfurchtseinflößender Anblick gewesen sein.
Konstantinopel gilt nicht umsonst als das "stärkste Verteidigungswerk des Altertums".

In der Geschichte wurden mehrere Angriffe (besonders der Türken ab dem 8.Jh.) erfolgreich abgewehrt. Erst die schwere Artillerie der Türken brachte die Stadt 1453 zu Fall.

Dreifaches Verteidigungssystem

Die Landseite der Stadt war durch drei Verteidigungslinien gesichert.

Zuerst musste der Angreifer einen etwa 18m breiten und 5-7m tiefen Graben überwinden. Entgegen der verbreiteten Annahme musste der Graben nicht unbedingt mit Wasser gefüllt sein (zumindest nicht zu Verteidigungszwecken), da ein Wassergraben leicht mit Flößen zu überqueren war. Dem Graben schloss sich nach ca. 12-15m die 8m hohe Vormauer an.

Nach weiteren 15m kam die Hauptmauer. Sie war bis zu 15m hoch, daher konnten die Verteidiger bequem über die Vormauer auf die Angreifer schießen.

Der Freiraum zwischen den Mauern, der sog. Zwinger engte die Angreifer ein und bot ihnen keinerlei Deckung, sollten sie die Vormauer überwunden haben. Die Seeseite der Stadt war meist nur durch eine Mauer geschützt, was ein wichtiger Grund für den Fall der Stadt 1203 war

Der Aufbau der Mauern

Auffallend an den Mauern und Türmen sind die Ziegelbänder, die fast alle Mauerwerke in regelmäßigem Abstand durchziehen.
Sie dienen aber nicht der Ästhetik sondern in erster Linie der Stabilität.

Um diese Mauern zu errichten, wurden zunächst die Außenseiten der Mauer aus Kalksteinquadern bis etwa 1,80m gebaut. Der so entstandene Hohlraum wurde mit Füllwerk (Kies, Gesteinsbrocken, Mörtel) gefüllt. Nun wurden meist fünf Schichten Lehmziegel aufgetragen, die aber die ganze Mauer durchzogen.
Nach dem Trocknen lagen die Ziegel wie eine Platte auf der Mauer und verbanden die Außenseiten. Damit wurde die Stabilität der Mauer enorm erhöht.

Die Befestigungsanlagen

a) Die Vormauer

Die Vormauer war im Schnitt 8m hoch (aus der Sicht des Angreifers) und 3,5m dick. Sie verlief in einem Abstand von ca. 15m parallel zur Hauptmauer und war im Gegensatz zu dieser nicht massiv gebaut. Sie verfügte über einen doppelten Wehrgang, d.h. durch Quermauern waren kleine, mit Schießscharten versehene Kammern und Gänge angelegt. Der eigentliche Wehrgang wurde durch Querbögen getragen. So konnte der Bereich vor der Mauer bequem und relativ sicher bestrichen werden, während die Soldaten auf dem Wehrgang Leitern etc. abwehrten. Der Wehrgang war nur über den Toren angegliederte Treppen zu erreichen.


b) Die Hauptmauer

Diese Mauer war das eigentliche Bollwerk gegen den Feind.
Sie war praktisch senkrecht und sehr sorgfältig gebaut. Anders als die Vormauer war sie massiv gebaut. Durchschnittlich erreichte sie eine Höhe von 12m und eine Stärke von 4,80m.

Treppen die auf den Wehrgang führten, waren nur wenige vorhanden, i.d.R. waren sie den festungsartigen Toranlagen angegliedert.
Die Zinnen auf der Brustwehr waren ca.1,7m hoch, bis zu 3m breit und in der Mitte mit Sichtschlitzen versehen. Mit einer Verstärkung, die das Abkämmen durch den Beschuss mit Katapulten verhindern sollte, erreichte sie eine Stärke von einem Meter.
Die Mauer bildete aber erst mit den Türmen eine effektive Befestigungsanlage.


c) Die Türme

Ohne die zahlreichen Türme, die sowohl Vor- als auch Hauptmauer durchziehen, wäre die Verteidigung sehr viel weniger effektiv.
Allein an der Landmauer lassen sich 96 Haupttürme zählen. Sie waren, mehr oder minder regelmäßig in einem Abstand von 60-70m installiert, wodurch die Reichweite für einen sicheren Pfeilschuss nicht überschritten wurde.
Um ein freies Schussfeld zu gewähren, waren die Türme der zwei Mauern versetzt gebaut. Die Türme waren fast in ihrer ganzen Dicke der Mauer vorgelagert. Dadurch konnten die Verteidiger auf die Feinde am Mauerfuß schießen, die sich nun nicht nur nach oben, sondern auch von beiden Seiten schützen mussten.
Außerdem hatten die meisten Türme kleine Ausfallpforten in das Vorderland.

Alle Türme waren zweistöckig, wobei kein Durchgang zwischen den Geschossen vorhanden war. Die Wehrplattform auf dem Turm war über den Wehrgang zu erreichen. Die Türme der Vormauer waren etwa 10m hoch und sprangen etwa 4,5m aus der Mauer hervor.

Die Türme der Hauptmauer waren genauso aufgebaut, nur ungleich größer. Die (meist rechteckigen) Türme sprangen etwa 10m aus der Mauer heraus, was auch hier der Breite des Turms entspricht.
Das Obergeschoss lag auf der Höhe des Mauerwehrgangs und war nur über diesen zu erreichen. Dieser Raum war mit Schießscharten zu allen Seiten versehen, außerdem standen hier, wie auch auf der Wehrplattform, Wurfmaschinen wie Ballisten und Mangonellen.
Die Wehrplattform auf dem Dach war über eine Treppe von den Wehrgängen zu erreichen. Hier waren auch Pechnasen installiert, durch die heißes Pech, Öl oder Wasser auf die Angreifer gegossen werden konnte.
Außerdem fanden sich in manchen Türmen kleine Ausfallpforten in den Zwinger. Dadurch wurde der Zwinger ein gefährlicher Ort für die Angreifer, die sich nicht nur von Geschossen von allen Seiten in Acht nehmen, sondern auch mit raschen Überfällen rechnen mussten.


d) Die Tore

Die Tore der Vormauer waren an verstärkten Stellen der Mauer eingelassen und i.d.R. durch ein Fallgatter gesichert.
Die Hauptmauer wies ursprünglich fünf große, teils prunkvolle Tore auf, die direkt den Vortoren folgten. Sie lassen sich in Haupt- und Nebentore (bzw. Militärtore) aufteilen.
Die Tore waren von zwei vorspringenden Haupttürmen flankiert, wodurch zwischen den Toren ein fast geschlossener Hof entstand. Es gab nur wenige andere Treppen, die auf den Wehrgang führten. Dies erleichterte die Kontrolle der Mauer. Mit Vortor und Zwinger war jedes Tor stark gesichert und bildete quasi eine kleine Festung, die nur mit großem Aufwand und hohen Verlusten zu erstürmen war.
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